ESCHWEGE. „13 Jahre Siesta, jetzt Fiesta“ – unter diesem ebenso augenzwinkernden wie ironischen Motto feierte der Abiturjahrgang 2026 des Beruflichen Gymnasiums in Eschwege seine Verabschiedung. In einer feierlichen Zeremonie nahmen 61 Absolventinnen und Absolventen ihre Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife entgegen und markierten damit den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt.
In seiner Ansprache setzte sich Schulleiter Andreas Althen mit dem gewählten Motto „13 Jahre Siesta, jetzt Fiesta“ auseinander. Er stellte dabei fest, dass das Erreichen der allgemeinen Hochschulreife – entgegen der ironischen Anspielung auf eine dauerhafte Mittagsruhe – eine kontinuierliche Leistungsbereitschaft erforderte. Althen bescheinigte den Schülerinnen und Schülern, dass sie die nötige Ausdauer bewiesen hätten. Es folgte ein Blick zurück auf den 4. September 2023, als der Jahrgang erstmals – neugierig und vielleicht etwas eingeschüchtert von dem „Riesenbau in markanter Farbe“ – in der Eingangshalle stand. Seitdem hätten die Schülerinnen und Schüler gelernt, Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen. Der Weg zum Abitur sei dabei geprägt gewesen von völlig neuen Fächern wie Wirtschaftslehre (WIBE), Technik (TEIN) oder Gesundheitslehre (GELE), aber auch von ganz praktischen Herausforderungen wie streikenden Fahrstühlen oder dem gemeinsamen Lernen in der Bibliothek und im „Aquarium“, einem transparenten Gruppenraum für eigenverantwortliches Lernen.
In seiner Rede unterstrich Althen, dass die im Unterricht erworbenen Kompetenzen heute weit über reines Fachwissen hinausgingen. In einer „schnelllebigen und hochdynamischen Zeit“ sei es eine Kernkompetenz, sich seiner eigenen Stärken und Schwächen – der sogenannten „blinden Flecken“ – bewusst zu sein, um zielführende Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. Die statistischen Leistungen des 57. Jahrgangs der Schule belegten den Erfolg dieses Ansatzes eindrucksvoll. Gleich zwei Mal wurde die Traumnote 1,0 an Lasse Hünermund und Julius Konstantin Brunow vergeben, wobei letztgenannter mit 887 von 900 möglichen Punkten ein laut Althen „absolut sensationelles“ Ergebnis erzielte.
Einen sehr persönlichen und emotionalen Rückblick bot die Schülerin Hannah Kohnert. „Erwachsenwerden passiert nicht plötzlich“, stellte sie fest, „es passiert in kleinen Momenten: im ersten Scheitern, im Wiederaufstehen und im Abschiednehmen“. Aus dem „wilden Haufen“ von 2023 sei über die drei Jahre eine „kleine Familie“ zusammengewachsen. Hinter jedem Zeugnis steckten weit mehr als nur Noten, nämlich schlaflose Nächte, Zweifel, Druck, aber eben auch tiefe Freundschaften und Menschen, die nicht aufgegeben haben. Ihr besonderer Dank galt den Lehrkräften und vor allem den Tutoren Ines Haberland, Uta Killmer, Barbara Schneider, Dirk Bogott und Maximilian Meyer. Sie hob dabei hervor, dass die Tutoren und Fachlehrer für die Jugendlichen längst nicht mehr nur Lehrkräfte gewesen seien, sondern Vertrauenspersonen, an die sie sich wenden konnten, wenn es ihnen schlecht ging oder sie Angst hatten – sie hätten den Schülern in jeder Lage unterstützend zur Seite gestanden. Auch die organisatorische Leitung durch Jan Ziegenbein (Einführungsphase) und Imke Carl (Qualifikationsphase) wurde gewürdigt.
Die festliche Atmosphäre wurde durch die musikalischen Beiträge von Louis Hergenhan und Lennart-Maurice Möller untermalt. Mit atmosphärischen Stücken wie „Iris“ von den Goo Goo Dolls setzten sie emotionale Akzente, welche die Melancholie des Abschieds einfingen. Besonders passend zum Anlass wirkte der Song „Time Of Your Life“ von Green Day, der den Rückblick auf die prägende Schulzeit und den Aufbruch in eine neue Ära unterstrich. In diesem Rahmen wurden auch zahlreiche Bestenehrungen vorgenommen: Max-Michael Vasilev erhielt für seinen Einsatz den Preis für soziales Engagement, der von Uta Killmer stellvertretend für den Bundestagsabgeordneten Wilhelm Gebhard überreicht wurde und eine mehrtägige Fahrt nach Berlin beinhaltet. Bjarne Eckhardt wurde mit dem Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker ausgezeichnet, während die Landeskirche Kurhessen-Waldeck Emma Kniese, Fynn Louis Leimbach, Fenja Diana Meder, Leonie Resch und Jana Junghans für herausragende Leistungen im Fach Evangelische Religion ehrte. Julius Konstantin Brunow erhielt den Preis der Dr. Hans Riegel-Stiftung in Kooperation mit dem Verein für Socialpolitik für seine Leistungen im Fach Wirtschaft, was mit einer Einladung zu einer Konferenz an die Universität Innsbruck verbunden ist.
Traditionell erhielt der Jahrgang als Symbol für die gemeinsame Zeit ein Bäumchen – in diesem Jahr eine Rotbuche, den Baum des Jahres 2022. Andreas Althen erläuterte, dass dieser Baum für eine hohe Anpassungsfähigkeit stehe und über 500 Jahre alt werden könne. Er forderte die Absolventen auf, die Buche an einem Ort einzupflanzen, an den sie gerne zurückkehren, und verband dies mit einer ausdrücklichen Einladung, der Schule auch künftig gewogen zu bleiben. Ob als Mitglied der Ehemaligenvereinigung oder perspektivisch sogar als neue Lehrkräfte – die Türen stünden ihnen stets offen. Mit einem herzlichen „Abios Amigos!“ entließ der Schulleiter die Abiturienten schließlich in eine Zukunft, die sie nun mit Mut und Optimismus selbst gestalten sollen. Dieser Brückenschlag zwischen dem Aufbruch in die Welt und der Verbundenheit zur Heimat gab dem Schlusswort von Hannah Kohnert ein besonderes Gewicht. In Anlehnung an den Jahrgangsbaum, der als lebendiges Zeichen der Beständigkeit gepflanzt wird, bleibt das Versprechen: Die Wege mögen sich trennen, doch die gemeinsame Identität bleibt im Herzen der Schule verankert. „Ein Teil von uns“, so formulierte es die Schülerin bewegt, „wird niemals ganz von hier fortgehen.“
Abiturientinnen und Abiturienten 2026
Die Absolventinnen und Absolventen des Beruflichen Gymnasiums Eschwege nach Wohnorten:
Martha Immig
Inga Maria Werner
Jana Junghans, Mara Müller
Julius Konstantin Brunow, Charlotte Dunkel, Kim Dunkel, Loris Engel, Johanna Eschstruth, Oliver Gila Karsten, Erik Hilmes, Lea John, Piangu-Gracian Kabankumu, Emma Kniese, Fynn Louis Leimbach, Anna Lipinski, Donat Losaj, Neyla-Tessa Matić, Alexandra Maurer, Ronja Maria Ganja Müller, Celine Pieruschka, Elena Maria Plafki, Lea Schoene, Shania Szulinski, Max-Michael Vasilev, Maik Wain, Carolin Zis
Jan Dittmeier
Adrian Sankiewicz, Jette Schäfer
Merle Bogatsch, Leonard Bernd Walter Freund, Sebastian Hupfeld, Yannis Mäurer
Lorenz Helmut Fey, Louis Frank Hergenhan, Audrey Hoßbach, Lasse Hünermund, Marlon Möller, Linda Schäffer
Lilly Marie Mißler, Lennard-Maurice Möller, Leon Walz, Hannah Zeidler
Fenja Diana Meder, Julius Steinhauer
Finnja Johanna Bachmann, Martin Falk, Milena Halt, Hannah Raquel Kohnert, Paul Trebing
Paul Maximilian Bachmann, Bjarne Eckhardt, Tim Graf, Hanna Hieronimus, Celine Kirchner, Luka Christof Meister, Leonie Resch, Paul Schäfer, Samuel Stück
Neele Frank
